Die 17. Internationale Biologieolympiade, Argentinien 2006

Am Donnerstag, den 6. Juli 2006 flog ich zusammen mit Friederike Ewald, Jacqueline Scholl, Marcel Vetter (Schüler) und Ralf Kittler, Christiane Mühle und Eckhard Lucius (Delegationsleiter) zur 17. Internationalen Biologieolympiade nach Argentinien. Am Nachmittag (Ortszeit) erreichten wir unser vorläufiges Reiseziel: Cordoba. Dort waren wir zu unserer Überraschung in einem recht komfortablen 5-Sterne Interplaza Hotel untergebracht. Nun galt es bis abends durchzuhalten, um nicht in ein Jetlag zu geraten. Zuerst tauschten wir unser Geld um; dies brachte jedoch für einen von uns erhebliche Komplikationen mit sich, welche ihn und damit auch uns beinahe daran gehindert hätten an der vorgesehenen Stadtrundfahrt teilzunehmen – aber eben nur beinahe!
Am Montag begann die „Olympia-Woche“ mit der Eröffnungszeremonie. Neben Reden, Tanz und Theater aus argentinischer Kultur wurde auch jedes Team kurz vorgestellt. Am nächsten Tag wurde es dann richtig ernst: Die praktischen Klausuren standen auf dem Programm. Für mich ging es mit Biochemie los: Wir sollten eine Eichkurve für die Glucoseoxidase erstellen. Prinzipiell wäre dies nicht sonderlich schwer gewesen, doch meine Nervosität überwog hier noch und so ich beging einen Fehler, der die Ergebnisse meines Experiments unbrauchbar machte.
In der nächsten Klausur (Mikrobiologie) ging es darum, zwei Bakterien zu bestimmen; dabei war man zwar auch auf etwas Glück beim Raten angewiesen, dennoch machte mir diese Klausur viel Spaß. Nach dem Mittagessen, welches fast ausschließlich dem Austausch mit anderen Teilnehmern über die bisherige Leistung gewidmet wurde, war die Botanik-Klausur an der Reihe: ganz klassisch mit Anfertigungen von Querschnitten und Identifizierungen derselbigen. Zum Ausklang des Tages wurde ich noch mit Zoologie „gequält“. Aufgabe hier war die Sezierung von drei Muscheln und die Bestimmung der Organe und Lebensumstände des jeweiligen Tieres. Der Höhepunkt des Tages bestand darin, dass uns Christiane und Ralf warme Decken und leckere Nervennahrung als Ausgleich für unser Hotel mitbrachten.
Auf dem darauf folgenden Mittwoch wurden wir von all unseren Sorgen über die praktischen Klausuren gut abgelenkt: Zunächst unternahmen wir eine Wanderung auf einen Berg; dabei begegnete uns auch ein Wildpferd, welches aber schnell von einem freilaufenden Hund, der uns die ganze Wanderung über treu begleitete, vertrieben wurde. Nachmittags fuhren wir in die kleine Stadt Belgrano, welche so wie eine typisch bayrische Stadt gebaut ist – zumindest nach Vorstellung der Argentinier!
Nach dieser Erholung mussten wir uns am Donnerstag noch ein letztes Mal zusammenreißen: Es galt die theoretischen Klausuren zu bewältigen. In einer Grundschule mit kleinen Klassenräumen und quietschenden Türen kämpften wir uns vor- und nachmittags durch alle Teilgebiete der Biologie. Am Abend besuchten uns unsere Lehrer in Embalse und aßen dort mit uns. Wir erfuhren auch einiges über die Ergebnisse der praktischen Klausuren, was uns nicht gerade beruhigte. Nichtsdestotrotz konnten wir dies – zumindest für diesen Abend – recht schnell vergessen, was auch an einer Party lag, die in der Hotellobby stattfand…*
Der Freitag war der so genante „Gaucho-Day“. Nach langen Spekulationen, was an diesem Tag wohl geschehen würde, bekamen wir die Antwort: Zusammen mit unseren Lehrern wurden wir zunächst durch argentinische Volkstänze unterhalten. Anschließend folgte das Mittagessen, welches uns mit allen erdenklichen Fleischsorten und Salaten verwöhnte. Nachmittags wurde uns noch eine Art Pferderodeo vorgeführt.
Am Samstag kam dann endlich die Stunde, auf die wir schon sehnlich gewartet hatten: die
Abschlusszeremonie mit der Vergabe der Medaillen. Wir rechneten schon gar nicht mehr mit einem Edelmetall, doch als dann die Nachricht kam, dass wir trotz der „widrigen Umstände“, wie Herr Lucius so oft sagte, zwei Bronze- und zwei Silbermedaillen gewinnen konnten, war die Überraschung und Freude umso größer! Auch der deutsche Generalkonsul nahm an der Zeremonie teil und gratulierte zu unserem Erfolg, welchen wir bis in die späte Nacht hinein beim Farewell-Dinner feierten.

Mit wenig Schlaf ging es am frühen Morgen, nachdem wir uns teilweise mit schwerem Herzen von den anderen Teilnehmern verabschieden mussten, zurück nach Cordoba. Dort besuchten wir noch – trotz leichter Orientierungsschwierigkeiten – den Zoo, wo wir das Gürteltier, welches das Logo der 17. IBO ziert, und seine originelle Fortbewegungsart live betrachten konnten. Abends gingen wir wieder in einem sehr noblen Restaurant essen, um dort unsere letzten Pesos und noch einiges mehr auszugeben. Am nächsten Morgen hieß es dann endgültig Abschied von Argentinien nehmen. Nach einer abenteuerlichen Taxifahrt zum Flughafen mussten wir dort aufgrund der Wetterbedingungen noch einige Stunden warten. Ab dann ging es ohne nennenswerte Komplikationen nach Frankfurt. Hier begegnete uns - die wir aufgrund des Wetters in Argentinien mit Pullovern, langen Hosen und Jacken ausgestattet waren – ein letzter Schock, nämlich ein Hitzschock von 35 °C. In Frankfurt trennten sich dann auch die Wege der deutschen Delegation. Aber eins bleibt festzuhalten: Keiner von uns wird wohl jemals das „Abenteuer Argentinien“ vergessen!

Diesen Bericht verfasste Monika Pütz. Monika nahm bereits mehrmals an den Auswahlrunden zur IBO teil. In diesem Jahr gehörte sie zu den vier besten und errang eine Silbermedaille in Rio Cuarto. Monika wird im Wintersemester das Studium der Bio-Wissenschaften an der Universität Heidelberg beginnen.

 



In Biologie ganz weit vorn
Biologie-Olympiade: Monika Pütz schafft es in die dritte Runde
Minden (tn). Pflanzen bestimmen und Tiere sezieren, so sah das letzte Januar-Wochenende für Monika Pütz aus. Die Schülerin des Mindener Ratsgymnasiums nimmt an der Internationalen Biologie-Olympiade teil und hat es in der zweiten Runde auf den zweiten Platz in Nordrhein-Westfalen geschafft.
Von Tina Nolting

Diese Leistung wurde von Ute Schäfer, der Ministerin für Schule, Jugend und Kinder, mit einem Buchpräsent und einer Urkunde ausgezeichnet. Außerdem gab es einen dreitägigen Aufenthalt am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund.

Hier standen so komplizierte Dinge, wie die Auftrennung von DNA-Fragmenten und die Identifikation von Proteinen auf dem Programm. "Wir haben am Institut viel Neues gelernt und ich konnte die anderen Teilnehmer persönlich kennen lernen", freut sich Monika Pütz.

Das Mädchen wurde von ihrer Lehrerin, Gabriele Lorenzen, auf die Olympiade aufmerksam gemacht. "Mit diesem Wettbewerb haben die Schüler die Möglichkeit, Fragen zu beantworten, die über das Abitur-Niveau hinausgehen", erklärt die Lehrerin.

Erste Runden ganz alleine gemeistert
Monika ist in diesem Jahr die einzige Schülerin am Ratsgymnasium, die sich den Aufgaben der Olympiade gestellt hat. "Die ersten beiden Runden hat sie ganz alleine gemeistert, bei der nächsten werde ich versuchen, sie zu unterstützen", meint Gabriele Lorenzen.

Die Biologie-Olympiade ist in vier Runden unterteilt. Die erste Aufgabe wird noch zu Hause gelöst. Die übrigen werden unter Klausurbedingungen bearbeitet. "Es geht um Aufgaben aus allen Bereichen der Biologie", erklärt Monika, die versucht, sich mit Fachbüchern vorzubereiten.

Zur dritten Runde wird die Schülerin, deren Lieblingsfächer Latein und Sport sind, nach Kiel reisen. Am Leibniz-Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften tritt sie gemeinsam mit 44 anderen Schülern zur theoretischen und praktischen Prüfung an. "Ob ich noch weiterkomme, weiß ich nicht. Ich hätte schon nicht gedacht, dass ich es überhaupt so weit schaffe", meint Monika.

Zwölf Schüler werden nach der dritten Runde übrig bleiben, von denen dann nur die vier Besten nach Peking reisen werden. Dort findet im Sommer 2005 das Zusammentreffen mit der internationalen Konkurrenz statt.

Egal, wie weit es für Monika in der Olympiade noch gehen wird. Die Schülerin der Jahrgangsstufe 12 möchte auf jeden Fall Biologie studieren: "Am liebsten möchte ich später in der Molekularbiologie arbeiten", sagt sie.

Jährlicher Schülerwettkamp
Die internationale Biologie-Olympiade wurde 1989 von sechs Nationen gegründet. Sie ist ein jährlich wiederkehrender Schülerwettbewerb, der der Förderung von biologisch begabten Schülern dient. Monika will im nächsten Jahr wieder dabei sein.

Und die Mitschüler? "Die freuen sich mit", meint Monika. Neider gibt es also nicht. "Die Hauptsache ist, dass es ihr Spaß macht. Erwartungen stelle ich keine", erklärt Gabriele Lorenzen.

Wer mehr über die Biologie-Olympiade und das weitere Abschneiden von Monika erfahren will, erhält weitere Informationen im Internet unter:
http://www.biologieolympiade.de/ und http://www.biologieolympiade-nrw.de/

aus: www.mt-online.de vom 08.02.2005