Werbefilme auf Ballacks Trikot erfunden

Mindener Teilnehmer am Existenzgründer-Planspiel "StartUp-Werkstatt bundesweit vorn / Siegerehrung in der Sparkasse

Minden (ic). Eine Firma zum Verlieben: Der Unternehmer geht in den Sommerferien jobben, der Finanzberater trägt eine Zahnspange, und der dritte Geschäftsführer bekommt 30 Euro Taschengeld im Monat.

Text: Copyright © Mindener Tageblatt 2006 (Inge Czygan)


Die Rede ist von Gerrit Horstmann, Julian Dorl und Raphael Nellißen - diese drei gewitzten Schüler (Besselgymnasium, 10. Klasse) haben mit ihrem fiktiven Unternehmen "Ergo View" den ersten Preis unter den heimischen Teilnehmern am Existenzgründer-Planspiel "StartUp-Werkstatt" abgeräumt. Ihre "Geschäftsidee": Folien mit unbegrenzten multimedialen Möglichkeiten in ganz normale Kleidungsstücke einzubauen. Heißt im Klartext: Wenn beispielsweise Michael Ballack stürmt, dann können durch hauchdünne Stromkabel in seinem Trikot nicht nur wechselnde Werbepartner auf einer Folie sichtbar werden, sondern auf Brust oder Rücken des Fußballstars laufen sogar Videofilme.
 


Nur eine Vision, eine verrückte Idee - oder vielleicht doch nicht? Unter 1260 Teams, die bundesweit an diesem von der Zeitschrift "Stern", vom ZDF, der Managementberatung "McKinsey & Partner" sowie von den Sparkassen unterstützten Wettbewerb teilnahmen, kamen die erstplatzierten Teilnehmer aus dem Kreisgebiet unter die besten Hundert. Nicht zuletzt durch tatkräftige Unterstützung von Ingmar Münther (Lehrer an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule), Sparkassendirektor Volker Böttcher mit seinen Kollegen Frank Rehorst, der den Abend charmant moderierte, und Heinrich Wiese.

Die freuten sich anlässlich der feierlichen Siegerehrung ganz besonders darüber, dass auch die bundesweite Projektleiterin Nadja Töpper vom "Stern" aus Hamburg erschienen war. "Ich bin gern in Minden", sagt die sympathische 35-jährige Business-Lady, die 1998 ihr Studium der Kommunikationswissenschaften mit dem Magister abschloss und internationale Werbekampagnen, wie für den 5er BMW mit 1200 Journalisten aus aller Welt auf Sardinien, an den Start brachte.

Pädagogik, die Spaß macht. Mit Vorbildern, die es wirklich besser können und die sich nicht zu wichtig nehmen. "Ich habe morgens um neun bei minus vier Grad drei Stunden lang für eine Robbie-Williams-Karte angestanden", gibt Nadja Töpper (Motto: "Ich will etwas bewegen!") lachend zu.

Ein Stück näher ans knallharte Berufsleben

Dass man jedoch erst richtig locker sein kann, wenn man es zu etwas gebracht hat und dass dahinter eine Menge Arbeit steckt, das haben nun auch die Wettbewerbsteilnehmer festgestellt, die freiwillig sechs Monate lang ihre Freizeit für die Umsetzung der eigenen "Geschäftsideen" geopfert haben. Eine Marktanalyse erstellen, Marketingkonzepte entwerfen, Finanzierungspläne entwickeln, eine Homepage aufbauen und eine schicke Präsentation vorbereiten - das alles brachte die engagierten Schülerinnen und Schüler zwischen 16 und 22 Jahren ein Stückchen näher an das knallharte Berufsleben heran.

Stärken und Schwächen wurden erst im Team so richtig sichtbar, die Telefondrähte der Erstplatzierten glühten bei täglichen "Konferenzschaltungen" heiß, und irgendwann packte er jeden - der Wunsch, sein eigener Chef zu sein, Verantwortung zu tragen und seinen Kunden das hart erarbeitete Know-how wirkungsvoll zu vermitteln.

Dafür gab es jetzt viel Beifall. Neben Rollenspielen ("coloured possibility"), Disco-Tanzeinlagen ("ZATZ") oder sachlich vorgetragener Marktanalyse ("Software Spezialist") gewann das Projekt "system@mobile", für das sich Ratsgymnasiast Fabian Pagel mit gewandter Redekunst so richtig ins Zeug legte, außerdem einen Sonderpreis als Team mit der besten Präsentation, gewählt von der Jury Dr. Jörg-Friedrich Sander (Minden-Marketing), Gerald Watermann (PR Sparkasse) und Christine Löhr (Werbestudio).

Seniorenvermittlung als Aupairs
Hier die weiteren Sieger des "StartUp-Werkstatt"-Wettbewerbs: "Jung & Alt" (2. Platz, Leo-Sympher-Berufskolleg, vermitteln Senioren als Au-pairs), "system@mobile" (3. Platz, Ratsgymnasium, verbannen Schulbücher und Enzyklopädien komplett auf elektronische Medien, um sich die Buchschlepperei zu ersparen). Außerdem unter den neun Besten: "Fusic-Media" (Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, kabelloser mp3-Player), "ZATZ" (Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, Fahrradschloss mit Fernbedienung), "coloured possibility" (Besselgymnasium, Haarfärbeshampoo, das sich der täglichen Stimmung anpasst), "Software Spezialist" (Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, maßgeschneiderte PC-Programme für Handwerker), "Gunten" (Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, per Internet selbst zusammengestellte schrille Handtaschen) und "LensBeautifulLive" (Ratsgymnasium, farblich wechselnde Kontaktlinsen).

Weitere Informationen unter: http://www.startup-initiative.de/