Viele Leute krabbeln durch Nabel

Positive Bilanz am vierten Tag der Ausstellung "Balance" / Besucher machen spannende Reise

Minden (pel). Am Anfang steht der Nabel. Wenn man sich durch ihn hindurchgezwängt hat, betritt man eine völlig fremde Atmosphäre. Jetzt ist man inmitten der faszinierenden Welt des menschlichen Körpers.

Von Lena Gümpel
Text/ Bild: Copyright © Mindener Tageblatt 2006


 

103614628_0.jpg

 

Janka und Christine haben es geschafft - sie sind durch den Nabel, den Eingang zur Ausstellung "Balance", hindurchgeschlüpft. Staunend schauen sie sich um und beginnen ihre Reise durch den Körper. Die nächsten 120 Meter wandeln sie durch einen gewölbten, sich schlängelnden Gang, der stark an einen überdimensionierten Darm erinnert.
Hier steht alles im Zeichen der Gesundheit. Vorbei geht es an mannshohen Haaren, einem Körperwärmebild, Modellen von menschlichen Herzen und anderen Exponaten, die den Körper veranschaulichen oder zum Mitmachen und Ausprobieren einladen. "Das ist ganz anders hier als auf anderen Ausstellungen. Der Aufbau ist wirklich schön", stellen die Mädchen fest. Sie machen Halt an den zahlreichen Stationen und informieren sich über Körper und Gesundheit. Mit Kopfhörern empfangen sie Informationsbeiträge zu den Filmen, die auf Leinwänden abgespielt werden. "Das ist alles leicht verständlich gemacht", sagen sie. Und die Themen wecken ihr Interesse. "Man erfährt hier viel über Alltagssachen. Über Wundheilung und was im Körper passiert, wenn man sich stößt. So etwas weiß man ja sonst gar nicht."
 



Wie wird Lukas mit 50 Jahren aussehen?

Am Ende ihrer Erkundungstour lümmeln die Mädchen sich auf die riesige Luftmatratze am Ende der Ausstellung. Hier können sie ihre Entspannung messen. Wenn sich die Wolken auf der Leinwand über ihnen verzogen haben, sind sie vollkommen ausgeruht. Jetzt können sie den Darm durch den hinteren Nabel wieder verlassen und in die wirkliche Welt zurückkehren.
Der größte Andrang in der Ausstellung herrscht vor der Morph-Maschine. Der 14-jährige Lukas setzt sich auf den Stuhl vor den Bildschirm. Ein Blick in die Kamera und ein paar Klicks auf der Bedienungsanlage später erscheint ein Bild auf dem Monitor, das mit dem Schüler nur noch entfernt verwandt ist. Die Maschine simuliert, wie er in 50 Jahren aussehen wird. Für Lukas ist die Morph-Maschine das spannendste in der Ausstellung. "Ich glaube, jeder möchte doch wissen, wie er später aussieht", sagt er. Schockiert hat ihn das Ergebnis aber nicht. "Ich bin im Alter noch ganz knackig."
Marco Eltner, Leiter der Gemünder Ersatzkasse (GEK), die die Ausstellung veranstaltet, zeigt sich mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. "Schon am ersten Tag waren 950 Besucher da, am Sonntag sogar 1630. Da mussten die Leute zwei Stunden oder länger vorm Eingang Schlange stehen", berichtet er. "Vor allem vormittags sind viele Schulklassen hier, aber insgesamt haben wir ein sehr gemischtes Publikum."
Hermann Schmidt interessiert sich in erster Linie für die Abläufe im Körper. "Ich wandere jetzt schon über eine Stunde durch den Darm und habe viel erfahren über Vorbeugung und Behandlung, zum Beispiel Akupunktur", so der 59-Jährige. "Ich bin wirklich rundum begeistert und nehme viele neue Informationen mit nach Hause."
Positiv überrascht waren auch Ann-Christin (15) und Christine (16). "Eigentlich hätte ich gedacht, dass es eher langweilig wird, aber es ist echt interessant", meint Ann-Christin. "Nur manchmal verstehe ich die medizinischen Ausdrücke nicht. Das ist etwas zu viel Fachchinesisch." Aber sie möchte die Ausstellung dennoch auf jeden Fall ein zweites Mal besuchen.
An einer anderen Station betrachtet der 14-jährige Bastian interessiert die Haut seiner Hand in vielfacher Vergrößerung. Auf dem Bildschirm kann er sogar seine Schweißdrüsen erkennen. Auch seine Kritik an der Ausstellung fällt positiv aus. "Hier sieht man mal in der Praxis, was man sonst nur theoretisch in Bio-Büchern liest."
Die 66-jährige Hanna Heidemann lobt insbesondere den interaktiven Charakter der Ausstellung. "Man kann vieles selbst ausprobieren und so sein Wissen auffrischen und Neues lernen."
Wer seinen Rundgang durch den Darm beendet hat und sich durch den Nabel wieder hinaus- gezwängt hat, kann sich an den Ständen in der Halle weiter informieren oder unterhalten lassen. Besonderen Zulauf erfährt der Fechtstand, an dem jeder mutige Freiwillige zum Duell herausfordern kann.

Noch bis Sonntag, 12. März, ist die kostenlose Ausstellung im Lord Nelson eröffnet.