Besuch von Frau Nussbaum im Deutschunterricht der Klasse 6a am 6. Juni 2008

 

Im Deutschunterricht lesen wir im Moment Uri Orlevs Buch „Lauf, Junge, lauf“, in dem die Geschichte eines jüdischen Jungen erzählt wird, dem die Flucht aus dem Warschauer Ghetto gelingt. Das Buch hat bei uns viele Fragen zur Zeit des Nationalsozialismus aufgeworfen. Wir wollten auch wissen, was in Minden in dieser Zeit passiert ist. Aus diesem Grund hat Frau Plöger Frau Nussbaum als Zeitzeugin in unseren Deutschunterricht eingeladen. Natürlich waren wir alle auf ihren Besuch am Freitag, dem 6.Juni 08, gespannt.

Nach der ersten großen Pause kam Frau Nussbaum mit einem Lächeln in unserer Klasse an. Zwei von uns trugen ihre große rote Tasche. Als wir uns hingesetzt hatten, begann Frau Nussbaum, ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

Sie hat lebendig über ihre Kindheit und Jugend erzählt und uns das Leben in der Hitler - Zeit beschrieben. Sie hat dabei auch ihre Gefühle geschildert, die wach werden, wenn sie jetzt sich an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Zwischendurch hat sie unsere Fragen beantwortet und uns Photos sowie Zeitungsausschnitte aus dieser Zeit gezeigt.

Besonders hat uns die Geschichte der Familie ihres Mannes Heinrich Nussbaum interessiert. Sein Vater, nach dem ein Mindener Altenheim benannt ist, war ein jüdischer Arzt. Er wurde schon 1933 an der Ausübung seines Berufs gehindert und immer wieder inhaftiert. Im April 1941 verstarb Robert Nussbaum im KZ Sachsenhausen bei Oranienburg. Frau Nussbaum hat uns den letzten Brief, den Robert Nussbaum aus der Haft an seine Familie geschrieben hat, vorgelesen und uns die Mitteilung über seinen Tod gezeigt.

Der Besuch von Frau Nussbaum in unserer Klasse hat uns sehr beeindruckt und nachdenklich gemacht.

 

Minden, den 10. Juni 2008                                     Timur Karpenko