Tanzprojekt eröffnet den Mindener Weibersommer 2006

Die Schülerinnen des Tanzprojektes Ratsgymnasium eröffneten den Mindener Weibersommer 2006 mit einer Tanzperformance zum Thema "Aus der Reihe tanzen". Mit dieser Aufführung wurde die Maskeninstallation der Mindener Künstlerin Renate Riechmann-Gäbler enthüllt.

 

 

 

Bewegung beim Weibersommer
"Dem Stillstand etwas entgegensetzen"

Minden (dc). Ihre Augen wandern über den Marktplatz, sehen das Menschengewusel an den Ständen, den Pulk um die Bühne herum stehen und die neugierigen Blicke an der Maskeninstallation. "Was bin ich froh, dass alles geklappt hat", sagt Anne Braszeit erleichtert.
Von Doris Christoph
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Eineinhalb Jahre hat die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt zusammen mit dem Frauennetzwerk am siebten Weibersommer gebastelt, am vergangenen Samstag war es soweit. Das Treiben auf dem Platz vor dem Rathaus scheint das Motto der Veranstaltung direkt in die Tat umzusetzen: Frauen in Bewegung. "Damit wollen wir dem Gefühl des Stillstands etwas entgegensetzen und zeigen, dass wir uns einmischen", erklärt Braszeit. "Vielfalt in Sport und Kunst, sowie die Verständigung untereinander", verbindet Bürgermeister Michael Buhre mit dem Weibersommer, wie er in seiner Eröffnungsrede betont. Und Vielfalt spiegelt sich auch im Programm und an den zwölf Ständen auf dem Marktplatz wider.
Wichtig dabei, auch wenn die Veranstaltung Weibersommer heißt, dürfen und sollen auch Männer an den Aktionen teilnehmen. Zum Beispiel bei der Walking-Tour durch das Glacis. "Hier darf jeder mitmachen", sagt Annette Amann vom Sportbüro der Stadt, das die Mitmach-Aktion zusammen mit TuS Eintracht Minden organisiert hat. Und so finden sich unter den Teilnehmern auch vier Männer.
Einer von ihnen ist Hans-Ullrich Kestel. Das Mitglied der "Mindener Wiesen Walker" und seine Frau Marion verbinden den Spaß gleich mit Nützlichem. "Wir trainieren hier für den Walk-Marathon in Gelsenkirchen. Da müssen wir eine Strecke von 20 Kilometern schaffen", verrät Hans-Ullrich Kestel.
Perfekt ausgestattet mit Pulsuhr und Schweißband um die Handgelenke geht Teresa Obst an den Start. "Dabei habe ich Bewegung und kann trotzdem erzählen und Spaß haben", erklärt sie, warum sie in Turnschuhen in die Stadt gekommen ist. Wer selber nicht ins Schwitzen kommen will, der kann den Sportdarbietungen auf der Bühne zuschauen. "Judo, Fechten, Selbstverteidigung - das sind Sportarten, die eher Männern zugeschrieben werden. Aber da machen auch Frauen mit. Das wollten wir zeigen", erklärt Gleichstellungsbeauftragte Braszeit die Auswahl der Sportarten.
Für weitere Bewegung auf der Bühne sorgt die Tanzgruppe des Ratsgymnasiums. Die Schülerinnen vollführen erst einen "Enthüllungstanz", ehe sie durch die Zuschauermenge zur Kunstinstallation auf dem Marktplatz schreiten. Den Weg weisen dabei rosa Zettel, auf denen Frauen ihre Wünsche notiert haben, zum Beispiel den Erhalt der Altstadt, aber auch mehr Freizeitmöglichkeiten für 13-Jährige. Mit Schwung lassen die Jugendlichen das Abdecktuch in die Höhe und dann zur Seite gleiten. Darunter kommen 111 Masken, die auf Stangen in Sandsteinblöcke eingelassen sind, zum Vorschein.

Masken als Signal: Wir sind auch noch da!
Die Vielfalt unter den schwarzen und weißen Gesichtsabdrücken von Mindener Frauen soll die vielen Facetten der Stadt widerspiegeln. Eine der weißen Masken wird kritisch von Karin Scheibe unter die Lupe genommen. Es ist ihr eigenes Gesicht. "Die Masken sollen ein Signal ans Rathaus sein, dass wir auch noch da sind", legt das Mitglied des Frauennetzwerks die Idee Riechmann-Gäblers für sich aus. "Mein Gesicht soll dabei für Offenheit und Mitmenschlichkeit in der Stadt stehen."
Mindens Offenheit zeigt sich auch in dem multi-kulturellen Angebot der Stände, das vom Deutsch-Russischen Förderverein bis zu einem Stand "Kinder im Libanon" reicht. "Wir wollen uns integrieren und in Deutschland wohl fühlen", erklärt Margarit Jachmann, Vorsitzende des Deutsch-Russischen Fördervereins, die Teilnahme am Weibersommer. "Und wir wollen, dass dem Frausein mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird."
Die Mischung der Aktionen und Stände ist es, die bei den Besuchern so gut ankommt, egal ob männlich oder weiblich. "Ich finde die Stimmung hier großartig. Die Kombination aus Kuchen und Kunst ist toll", schwärmt Karl-Heinz Rapp. Er hat seine Tante Irmgard Kuhlmann aus Kanada mitgebracht. "Ich finde es klasse hier. So ein Fest gibt es bei uns nicht", sagt die 76-Jährige.