Weg hin zu Modellschule mit Kulturprofil
Ratsgymnasium baut Kooperation mit außerschulischen Partnern aus / Stadt stellt Projektantrag in Düsseldorf


Minden (mt). Das Ratsgymnasium hat ein ehrgeiziges Ziel: Es will Modellschule mit kulturellem Profil werden. Rückendeckung von der Stadt ist schon Realität, Unterstützung von der Bezirksregierung ist zugesagt, finanzielle Mittel vom Land sind erhofft.
Von Jürgen Langenkämper (Copyright © Mindener Tageblatt 2007)

Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern im kulturellen Bereich hat für das Ratsgymnasium Tradition. Künftig soll die Kooperation ausgebaut werden. Ein erster Schritt erfolgt am 22. Februar. Dann unterzeichnen Schule und Stadttheater bei der Premiere des Musicals "Swinging Berlin" ihre Kooperation. "Gemeinsame Unterschriften haben eine hohe Verbindlichkeit und Symbolkraft", unterstützt Dr. Joachim Meynert, Dezernent für Schule, Kultur und Sport, den formalen Akt.

Kulturelle Bildung - vielfach vernachlässigt in der auf "harte Fächer" verkürzten Pisa-Diskussion - solle künftig einen größeren Stellenwert im "Kulturland NRW" einnehmen, bringt Meynert aktuelle Informationen von einer Fachtagung in Münster mit. In Sachen Kultur sieht er das Ratsgymnasium als "Modellschule in der Modellkommune Minden in der Modellregion OWL im Modellland NRW". Dafür gibt es die persönliche Rückendeckung von Marianne Thomann-Stahl. "Ein Projektantrag ist in Vorbereitung", berichtet der Dezernent in dieser Woche in einer Runde mit Schulleitung, Schüler- und Elternvertretern sowie den beteiligten Kulturinstitutionen. Er hofft, den Antrag gemeinsam mit der Regierungspräsidentin im März in Düsseldorf übergeben zu können.

Gemeinsame Aufführung der "Carmina Burana"
Bertram Schulte sieht als Leiter des Stadttheaters und Kenner der städtische Kulturszene seit langem gute Chancen für ein Gelingen. "Wir sind mit unserer Kulturentwicklungsplanung länger als andere am Thema dran."

Mit im Boot sind neben dem Stadttheater das Mindener Museum, die Musikschule und die Marien-Kantorei. Besonders im musikalischen Bereich gibt es schon jetzt zahlreiche Überschneidungen, die ein Näherrücken in Zukunft sinnvoll machen. Durch den Ganztagsunterricht, den das Ratsgymnasium anstrebt, und die bereits eingetretene Erhöhung der Stundentafel für die jüngeren Klassen, die das Abitur nach zwölf Jahren anstreben, müssen sich Vereine und Einrichtungen in Kultur und Sport mit ihren Angeboten ohnehin auf eine veränderte Nachfrage einstellen. Die Musikschule tue dies bereits, indem ihre Dozenten auch in die Schule kämen, sagt Jürgen Morche, Leiter von Musik Minden. "Das ist der Vorteil der Nähe."

"Wir wollen die Mitarbeit in einem Chor als Pflicht-AG anerkennen", sagt Schmidt Manuel Doormann von der Marien-Kantorei zu, in der bereits etliche Ratsgymnasiasten mitsingen. Gemeinsam mit deren Chören unter Doormanns Leitung und dem Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen (JPON) führen das Tanzprojekt des "Rats" unter Leitung von Anne Buchalle und Cordula Küppers Ende August in der Kampa-Halle die "Carmina Burana" auf. "Ein solches Community-Dance-Projekt ist keine Eintagsfliege, sondern ein zentrales Ankerprojekt in jedem Jahr", ist sich Meynert sicher.

"Harte Fächer" profitieren von musischer Fertigkeit
Einig sind sich alle Beteiligten, dass die "harten Fächer" unter einer künstlerisch-musischen Ausrichtung nicht leiden müssen - ganz im Gegenteil. "Mir ist aufgefallen, dass unter den Preisträgern des Rats-Kulturpreises immer gute Mathematiker waren", berichtet Jochen Klostermeyer, der diese Auszeichnung in vier Disziplinen von Musik bis hin zu darstellender Kunst im Anschluss an die 475-Jahr-Feier mit ins Leben gerufen hatte. Karl-Friedrich Schmidt, selbst Mathematik-Lehrer, bestätigt diese Einschätzung. "Gemeinsam zu musizieren und Theater zu spielen beflügelt die Fähigkeiten in harten Fächern." Deshalb soll ein Leistungskurs Musik auch kein Einzelfall bleiben, sondern sich an der Schule institutionalisieren.

"Es ist wichtig, dass so viele Partner bereit sind zuzusagen", unterstreicht Cordula Küppers als stellvertretende Schulleiterin den Anspruch, das Kulturprofil des Ratsgymnasiums auf eine breite Basis zu stellen. Und Meynert zeigt sich für die ganze Stadt selbstbewusst: "Wir haben das Potenzial."