Zermeño bringt Mindens Schüler zum Tanzen
Profi-Choreograph betreut "Community Dance"-Projekt mit acht Schulen


Von Ursula Koch (
Copyright: MT 2007)

Was Royston Maldoom mit Berliner Schülern und den Berliner Philharmonikern zu Strawinskys "Le sacre du printemps" auf die Bühne brachte, ist durch den Film "Rhythm is it" weltbekannt geworden. In Minden wird der Choreograph Miguel-Angel Zermeño im kommenden Jahr Maldooms Rolle übernehmen und Schüler von acht Schulen zu Karl Jenkins "The armed man" in Bewegung bringen.
Angestoßen wurde das Projekt von Marienkantor Manuel Doormann, der mit seiner Jugendkantorei das Oratorium von Jenkins aufführen möchte. Er wandte sich mit der Frage an Cordula Küppers, stellvertretende Schulleiterin des Ratsgymnasiums, ob sich das Tanzprojekt an der Aufführung beteiligen wolle.

Daraus wurde ganz schnell mehr, denn Heike Herold, Leiterin des OWL-Kulturbüros, stellte in Minden das neue regionale Förderprogramm des Landes vor und berichtete, dass Seitens des Landes vor allem Projekte mit einer Einbindung der gesamten Region gute Chancen habe. Sie wies darauf hin, dass es Überlegungen gäbe, das Tanzfestival Bielefeld auszuweiten. Die Stadt Minden wiederum möchte die kulturelle Bildung voranbringen und so reifte schnell der Entschluss, beim Land einen Förderantrag für das Projekt "Community Dance" einzureichen.

Anfang der Woche signalisierte nun die Bezirksregierung, dass "Tanz OWL" eines der A-Projekte der regionalen Kulturförderung werden soll, berichtet Ulrike Faber-Hermann vom Kulturbüro der Stadt Minden. Unter "Tanz OWL" sollen im nächsten Jahr Tanz-Aufführungen in der gesamten Region, das Festival in Bielefeld und eben "Community-Dance" in Minden zusammengefasst werden.

Nur zwei Tage später reiste der Choreograph Miguel-Angel Zermeño aus Bonn an, um die bereits fortgeschrittenen Pläne weiter zu konkretisieren. "Das Besselgymnasium, die Gesamtschule, die Wichernschule, Kuhlenkampschule, Waldorfschule, Hauptschule Süd und die Vincke-Realschule sind neben dem Ratsgymnasium dabei", berichtet Cordula Küppers. Jede Schule werde für sich über die Auswahl der Schüler (Klasse 7 bis 13) entscheiden. Krönender Abschluss eines halben Jahres Arbeit soll eine Aufführung am 24. August 2008 in der Kampa-Halle werden, mit einem Sinfonieorchester bei der Nordwestdeutsche Philharmonie wurde bereits angefragt und der Jugendkantorei St. Marien.

"Je mehr Schüler mitmachen, desto schöner ist die Erfahrung", zeigt sich der gebürtige Mexikaner Zermeño beim ersten Vorbereitungsgespräch unerschrocken. Kein Wunder, denn er hat nicht nur international Erfahrungen als Tänzer und Choreograph gesammelt, sondern bereits mehrfach mit Schülern gearbeitet, in Hongkong zum Beispiel und im vergangenen Jahr in Bonn. Dort hat er mit 110 Schülern, ebenfalls von verschiedenen Schulen, eine Choreographie zu Orffs "Carmina burana" einstudiert und in der Bonner Oper mit großem Erfolg aufgeführt.

In Bonn waren auch Jungen dabei, die sich eigentlich mehr für Fußball interessierten, aber schließlich doch Spaß am Tanzen gefunden hätten, denn "es geht um Bewegungstraining", sagt der Choreograph. Nicht der Tanz sei entscheidend, sondern was der Körper des Kindes brauche. Wichtig sei vor allem, dass die erlernte Technik gesund sei, sagt Zermeño, der selbst auch asiatische Kampfsportarten betreibt. Und letztlich gehe es vor allem darum, den Jugendlichen Selbstvertrauen zu vermitteln. Das Miteinander sei ihm ganz wichtig.

Wie ein Mosaik werde sich die Arbeit zusammensetzen, erzählt Zermeño: Im Februar wird er eine Woche in Minden verbringen, um die Schüler kennen zu lernen, im Mai mit ihnen gemeinsam einzelne Choreographien entwickeln, die in den letzten beiden Wochen der Sommerferien schließlich in einer intensiven Probenphase einstudiert werden sollen.