Sommerkonzert mit Winterreise
Ratsgymnasium stellt Ergebnisse  eines  erweiterten Musikkonzepts vor


Die Chor- und Orchestergruppen des Ratsgymnasiums hatten zum Konzert geladen. Doch, was eher unauffällig als Sommerkonzert angekündigt wurde, zeigte sich in der zweistündigen Programmfolge als ein überraschend facettenreicher Querschnitt der musikalischen Arbeit von sechs unterschiedlichen Ensemblegruppen aller Jahrgangsstufen. Als besondere Gastgruppe trat die A-Capella-Gruppe „Voice“ auf, die mit Witz und musikalischen Geschick agierte und in einigen Passagen an die Vokalkunst der großen Vorbilder „die Prinzen“ oder der „Wise Guys“ erinnern konnte.
Die Eurovisionsmelodie aus dem Te Deum von M.A. Charpentier – aufgeführt von der ersten von drei Gruppen des neu eingerichteten Ensembleunterrichtes in den 5.Klassen – bot den Auftakt und setzte den feierlichen Rahmen des Abends. Nach dem „Königlichen Marsch des Löwen“ (C. Saint-Saens) beendeten die beiden anderen 5er-Gruppen mit dem „Dracula-Rock“ und der Bearbeitung von „Lemon Tree“ (Fools Garden) die musikalische Reise vom Barock in die Gegenwart. Michaela Scheel, Olaf Kindt und Martin Guth, die drei leitenden Lehrkräfte des Abends, konnten die Zielsetzung ihrer Arbeit mit diesem Einstieg mit einem guten Gespür für altersgerechte Musikstile und effektive Probenarbeit eindrücklich  vorstellen.
Nach gelungenen Darbietungen des  Schulchors und des Holzbläserensembles „Musicantiqua“  zeigte der Leistungskurs Musik eine Bearbeitung des Liederzyklus „Die Winterreise“ von Franz Schubert. Die ausgewählten Teile, dargestellt im halbszenischen Spiel mit einer Mischung aus wörtlichen Zitaten und Chor- und Sologesang, legten eine Schneise zu den ursprünglichen Motiven dieses Werkes, das in den letzten 180 Jahren weltweit als Musterbeispiel für die hohe Kompositionskunst der deutschen Romantik gilt: Suche nach wahren und echten  Lebenswerten zwischen enttäuschter Sehnsucht und Todesnähe. Später im zweiten Teil folgte die Einlösung des Versprechens, die Aktualität dieser nur scheinbar veralteten Dichtung zu zeigen. Mehrere Beispiele aus der Rock- und Popmusik (S. O´Connor, Nothing Compares To You; Elvis Presley, Love Me Tender; C. King, One Fine Day) belegten die neue Bedeutung des alten Versuches, den eigenen Sehnsüchten und Wünschen in einer kalten und sehnsuchtsvergessenen Realität eine Stimme zu geben. Diese Winterreise entwickelte sich zum jahreszeiten-unabhängigen Appell an Tauwetter über eingefrorenen Gefühlen.
Das Jugendsinfonieorchester bot zum Schluss mit den beiden Mozart-Werken (Symphonie Nr. 25 g-moll und Ouvertüre zur „Zauberflöte“) und einem Ausschnitt aus der Filmmusik zu „Herr der Ringe“ den Höhepunkt des Abends. Transparenter Klang der Instrumentengruppen, engagierte Tempi und eine präzis gestaltete Dynamik gaben ein gutes Beispiel für einen musikpädagogischen Ansatz, der die klassische Werkorientierung und die schülerorientierte  Aufführungspraxis vereinen kann.
Dieser Abend machte dem zahlreich erschienenen Publikum  Freude und den Verantwortlichen Mut, über neue Schwerpunkte in der Gestaltung des Schulprofils des Ratsgymnasiums nachzudenken. Denn da, wo Musik als Ausdrucksmittel für die Bewältigung von Lebensaufgaben von Kindern und Jugendlichen erlebt und erlernt wird, kann sie sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil von Bildungsprozessen entwickeln. So wartet man gespannt auf ein nächstes Sommerkonzert – vielleicht auch im Herbst oder im Winter.



Ensemble 5a/b (Scheel)

Ensemble 5a/b (Kindt)

Ensemble 5a/b (Guth)

Oberstufenchor

Ensemble "Musicantiqua"

Kammerorchester

Voice

Leistungskurs Musik J 12

"Zauberflöte"-Ouvertüre (JSO)

"Herr der Ringe" (JSO)


Einladung zum Sommerkonzert