Schüler begeistern mit Musical "Swinging Berlin - Tanzen verboten"
Kooperationsvertrag unterzeichnet
Minden (jv). Keine professionellen Schauspieler, sondern Schüler des Ratsgymnasiums haben auf der Bühne des Stadttheaters gestanden. Doch durch ihren Auftritt und ihre spürbare Spielfreude konnten sie mindestens genauso begeistern wie Profis.
Von Janina Vogel (Copyright © Mindener Tageblatt 2008)

"Hier brennt die Luft" - bereits mit der ersten Strophe wird deutlich, dass im vollbesetzten Saal nicht die bedrückende Atmosphäre des Dritten Reichs vorherrschen soll. Zwar spielt das Stück in den 1940er-Jahren in Deutschland - und es geht auch um Judenverfolgung, Untergrundbewegungen und Krieg. Aber das ist nicht alles.

Im Vordergrund stehen die "Swing Kids", die ihre große Leidenschaft zur Musik, zum Swing, teilen, aber ihre Freundschaft und die erste Liebe auf eine harte Probe gestellt werden. Ein sehr anspruchsvolles Projekt, an das sich das Ratsgymnasium herangewagt hat. Es ist eine Gemeinschaftsproduktion der Theater-AG, der Rats-Big-Band, des Tanzprojekts und des Musik-Leistungskurses. Regie führte Wilhelm Krückemeier. Die Vorbereitungen dauerten ein Jahr.

Leichtes Lebensgefühl im Schatten der Diktatur
Das Musical spielt im Herbst 1941. Fünf junge Berliner spüren bereits die ersten Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, lassen sich davon aber nicht unterkriegen und verbringen nahezu jeden Abend in "Leos Bar". Ein Ort an dem die Jugendlichen all ihre Sorgen vergessen können. Doch dann taucht die Jüdin Emma (Franziska Meintrup) auf und bittet den Barbesitzer Oscar Leonhardt (Fabian Weiß) um Hilfe, der sie in einem Hinterzimmer versteckt.

Wäre dies nicht schon alles kompliziert genug, verliebt sich Max (Joshua Bredemeier) auch noch in die junge Jüdin, ohne ihr Geheimnis zu kennen und für die Jungs steht der Kriegsdienst an. Dennoch verbringen die Jugendlichen eine unbeschwerte Zeit, ganz nach ihrem Motto: "The Swing is on tonight". Dieses leichte Lebensgefühl ist den jungen Schauspielern und Tänzern auch anzusehen. In ihren Kostümen wirbeln sie über die Bühne zu den live gespielten Swing-Rhythmen, hervorragend gespielt von der Rats-BigBand. Dennoch rückt die schwere Thematik nicht in den Hintergrund, denn lange können die Jugendlichen ihre Probleme nicht verdrängen.

Tanzten eben noch Max und Heini (Felix Klostermeyer) einen euphorischen Tango, organisiert Oscar bereits die Flucht mit seinem Untergrund-Partner Paul (Aaron Bredemeier), der mit seiner Berliner Schnauze das Publikum immer wieder amüsierte.

Schwangen eben noch fast ein Dutzend Tänzerinnen ihre Röcke auf der Bühne, steht dort nun eine verzweifelte Emma, die sich nicht zwischen ihrer einzigen Rettung, der Flucht, und ihrer großen Liebe entscheiden kann. Sangen Max und Emma am Flussufer noch ein romantisches Duett, wird Max anschließend von NS-Männern zusammengeschlagen.

Angebot, Freund vor dem Kriegseinsatz zu retten
Diese machen den Jugendlichen nun ein Angebot, ihren Freund Oscar zu verpfeifen und dafür dem Kriegsdienst zu entgehen. Alberta (Maira Küppers) lässt sich heimlich auf den Pakt ein, um ihren Freund Fritz (Jan Kaiser) nicht an den Krieg zu verlieren.

Doch als sie im letzten Moment versucht, das Unheil zu verhindern, wird sie erschossen und hinterlässt ihren verzweifelten Freund, der das Publikum mit seinem Lied sehr bewegt.

Dennoch endet das Stück nicht in dieser hoffnungslosen Stimmung. Oscar opfert sich für Max und Emma, die sich so vor den Nazis retten können und gemeinsam die Bühne verlassen. Das Stück lebt von diesen zahlreichen Kontrasten. Von ausgelassenen Tanzszenen, bei denen die Zuschauer am liebsten mitmachen würden, die durch den jähen Auftritt der Nationalsozialisten unterbrochen werden. Aber gerade durch diese Mischung bekommt der Zuschauer trotz der ernsten Thematik die Leichtigkeit dieser Tanz-Bewegung vermittelt und ein jeder verlässt mit einem "beswingten" Gefühl den Saal.

Vor der Premiere am Freitagabend unterzeichneten Schulleiter Karl-Friedrich Schmidt und seine Stellvertreterin Cordula Küppers für das Ratsgymnasium und Bertram Schulte für das Stadttheater sowie Dr. Joachim Meynert für die Stadt einen Kooperationsvertrag.
 

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