Die Räuber - Schauspiel von Friedrich Schiller

Von Schülern für Schüler: Schillers „Räuber“
Nach Goethes „Faust“ vor sechs Jahren hat sich die Schüler AG des Ratsgymnasiums in Minden diesmal mit Schiller den zweiten Pfeiler der klassischen Dichtung vorgenommen. Friedrich Schillers Jugendwerk „Die Räuber“, das wegen seiner pathetischen Sprachen und wegen des Überschwangs der Gefühle uns heute kaum noch zugänglich scheint, wird in dieser Inszenierung der ausschließlich männlichen Darstellerschar in der kasernierten Eingeengtheit der Karlsschule angesiedelt, in welcher Schiller seine Kameraden mit seinem Erstlingswerk vertraut macht. Schiller übernimmt die Rolle des Karl Moor, während die übrigen Kadetten alle weiteren Rollen, auch die einzige weibliche der Amalia, verkörpern muss.

 

Termine am:
Fr. 05.05.06/ Fr. 12.05.06/ Sa. 06.05.06/ Sa. 13.05.06/ Mi. 10.05.06    jeweils 20.00 Uhr
In der Aula des Ratsgymnasiums


Darsteller: Fabian Weiß,
Matthias Cieslik, Volker Kirschbaum, Antoine LeGuellec, Karlson Preuß, Felix Klostermeyer, Sören Ranis und Jerome Kayser.
Regie: Wilhelm Krückemeier

Eintritt: 6 € / Erm: 4€
Kartenvorverkauf im Sekretariat der Schule








 



Schiller jugendfrisch und spannend
Theater AG des Ratsgymnasiums feiert mit Inszenierung der "Räuber" erfolgreiche Premiere

Copyright: MT 2006 Von Ralf Kapries

Dass Schillers "Räuber" so spannend sein können! Das dürfte sich so mancher Besucher des Ratsgymnasiums am Freitagabend gedacht haben, als er der Theater AG unter Leitung Wilhelm Krückemeiers bei der Premiere zuschaute. Das Publikum konnte eine jugendfrische und intensive Inszenierung erleben, die man sich ansehen sollte.

Man wird nicht allzu stark am Lack des großen deutschen Klassikers kratzen, wenn man behauptet, dass es Schillers ältestem überlieferten Werk in manchen Teilen noch an Reife fehlt. Das von den Freiheitsgedanken der französischen Revolution inspirierte Stück verwendet in seiner Überhöhung des Menschlichen als Gegensatz zum Machtstreben eine äußerst bildstarke Sprache und gestaltet symbolkräftige Szenen, die heute nicht nur beim jugendlichen Publikum schon mal Gekicher hervorrufen.

Kostüme aus Fundus von Freilichtbühne
Der (Schein-)Tod des alten Moor an gebrochenem Herzen zum Beispiel erscheint heute nicht mehr recht nachvollziehbar, sein Wiederauftauchen nach drei Monaten denn gar zu übertrieben. Das Ende wird von Schülern nicht zu Unrecht gern mit den Worten "und alle sterben" zusammengefasst. Die Hoffnung "Vielleicht erleben wir es einmal, dass alle Menschen Brüder werden" und die Widmung gegen die Tyrannei werden dabei leicht übersehen.
Nimmt man den Klassiker seiner Bedeutung gemäß ernst, so ist die Umsetzung auf die Bühne mit Laiendarstellern - und Schülern zumal - ein Vabanque-Spiel. Und das weiß ein alter Theaterfuchs wie Wilhelm Krückemeier natürlich. Erfindungsreich siedelt er das gesamte Drama in einem Schlafsaal an und lässt die jungen Akteure im Soldatenrock einem Freizeitvergnügen nachgehen: Sie spielen das gerade entstandene Stück ihres Kameraden Friedrich Schiller mit einfachsten Mitteln nach, immer im Widerstreit mit dem auf Ordnung und Disziplin bedachten Korporal. Ein Stück im Stück also. Die Idee ist nicht schlecht. Zum einen wurde der 1759 geborene Schiller gegen den Willen seiner Eltern auf herzoglichen Befehl 1773 in der Militärakademie Hohe Karlsschule in Stuttgart kaserniert, wo er 1776 mit der Arbeit an seinen "Räubern" begann. Erst nach seiner Entlassung stellt er das Werk fertig. Während seiner Schulzeit war es also noch unfertig. Zum anderen sind seine Kameraden Stegreif- und Laienspieler. Da "verspielt" sich so einiges. Außerdem spart man aufwändige Umbauten und Kulissen, freilich nicht an Kostümen (aus dem Fundus der Freilichtbühne Hamm-Heessen entliehen) und Perücken, deren Handhabung den jungen Herren ohne die tatkräftige Hilfe von Anita Puls nicht gelungen wäre.

Die Mitspieler der Theater AG wiederum sind mit Feuereifer bei der Sache und widerlegen so auf erfreuliche Weise das gern pauschal verbreitete Vorurteil von der "heutigen Jugend", die zu nichts zu motivieren sei. Diese Jungs zeichnen sich allesamt durch Spiel- und Sprachdisziplin aus und entwickeln erstaunlich gute schauspielerische Leistungen, von denen niemand eklatant abweicht.

Im Überschwang nicht über Stränge schlagen
Und doch fällt auf, wenn Jerome Kayser als der alte Moor nuschelt und Kosinsky-Darsteller Felix Klostermeyer in der Aufregung die Endsilben verschluckt. Wenn der sonst exzellent spielende "Korporal" Lukas Weichert in die wunderbare Szene der begeistert Hurra rufenden Räuberbande hineinplatzt und brüllt "Schiller, foa-treten!", dann "knallt das schon rein". Tut aber letztlich der gelungen Szene - einem schönen Höhepunkt vor der Pause - und erst recht dem gesamten Stück keinen Abbruch. Da gelingen ganze Passagen so intensiv, dass man als Zuschauer (fehlende) Kostüme und Kulisse genauso vergisst, wie die Kadetten in ihrem Schlafsaal. Karlson Preuß spielt die Amalia voll Ernst und Stetigkeit, Fabian Weiß gelingt besonders mit Karl Moors Selbstmordmonolog ein großer Moment, bei dem es im Saal ganz still wird. Gegenspieler Franz Moor alias Volker Kirschbaum ist durchgängig integer und realistisch, auch als - schwer zu spielender - Betrunkener.

Matthias Cieslik als Spiegelberg zuzuschauen, macht durchgängig viel Spaß. Er ist schon fast ein "alter Hase" auf den man ein Auge haben muss: Einerseits, weil seine Bühnen-"Karriere" eine erfreuliche Entwicklung nehmen kann, andererseits, damit er im Überschwang nicht über die Stränge schlägt.

Bilder der Premiere: